Das Randfilmfest 2017 – Ein Rückblick

Festivaltrailer 2017

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https://youtu.be/jtjiuxp2MRo

 

Quo Vadis Deutscher Film ...

Dominik Graf auf dem Randfilmfest 2017 - Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

"Das Genrekino, in dem eigentlich nur Stellvertreterkriege zu sehen sind, der Staat aber abwesend bleibt, passt in unsere Zeit perfekt - und es ist wohl deshalb nicht gewollt."

Müßte man das Randfilmfest 2017 in einem Satz zusammenfassen, dann ginge das kaum besser als mit diesem Zitat unseres diesjährigen Ehrengastes Dominik Graf während der abschließenden Podiumsdiskussion am Sonntag, den 01. Oktober.

Dominik Graf und Wolfgang M. Schmitt beim Lounge-Talk - Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

Gemeinsam mit Literaturwissenschaftler und Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt zog sich die Gesprächsreihe der beiden wie ein roter Faden durch das ganze Festival. Vom subversiven Filmemachen im TV, über die Arbeit am TRIO-Vehikel "Drei gegen Drei", einem ausführlichen Q & A zur "verfluchten Liebe Deutscher Film" bis hin zur "Politik im Genrefilm" umspannte das episodische und epische Werkstattgespräch am Samstag und Sonntag einen Bogen quer durch Filmgeschichte und das eigene Schaffen. Ein einzigartiges Erlebnis, welches mit tiefen Einblicken eine intellektuelle und sinnliche Bereicherung bot, für die wir Dominik Graf und Wolfgang M. Schmitt an dieser Stelle herzlich danken wollen!

v.l.n.r.: Ralf Stadler, Tarek Ehlail, Volker Beller bei der Eröffnungsgala Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

Nicht weniger bereichernd fiel auch der Besuch der Regisseure Tarek Ehlail ("Volt") und Nikias Chryssos ("Der Bunker") aus. Neben zwei großartigen Debutfilmen brachten sie jede Menge Optimismus und  Schaffenskraft mit, wenn es um die Zukunft des deutschen Films ging: 

"Einen Film zu machen," so Ehlail, "ist eine totale Nahtoderfahrung. Aber, du kannst halt nicht anders." Und Chryssos ergänzte: "Film ist manchmal wie ein Gourmet-Essen. Man braucht einen besonderen Geschmack." 

Uwe Boll spricht Klartext - Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

Eindrücklich und schlagkräftig war die Vorstellung von Uwe Bolls "Rampage", der am Freitagabend ein sprachloses Publikum zurückließ. Umso schneller fand es jedoch die Worte wieder, als Regisseur Boll für ein Q &A aus Kanada zugeschaltet wurde, und die Zuschauer zunächst im Kevlar-Helm begrüßte. Im anschließenden, fast einstündigen Gespräch zeigte sich Uwe Boll dann wortgewandt und ehrlich wie eh und je. Provokante Seitenhiebe auf die aktuelle Bundestagswahl blieben dabei ebensowenig aus wie ein eher resignativer Blick auf die aktuelle Filmlandschaft.

Nikias Chryssos und Wolfgang M. Schmitt - Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

Volker Beller und Tarek Ehlail
- Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

Randfilmgast im Gespräch mit Nikias Chryssos und Tarek Ehlail - Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

Das heterogenste Booking ever!

Dass bei so viel Talk die Zungen nicht trocken wurde – dafür sorgte neben dem ausgebauten Barbetrieb in diesem Jahr vor allem das musikalische Programm. Casio Rakete punktete durch seine minimalistischen Beats und seine monumentale Zurückhaltung.

Speed Chicken jagten dann wortwörtlich das Huhn durchs Interim – und das in Lichtgeschwindigkeit.

Gewalt ließen anschließend den Spielort bis in die Grundfesten erzittern, und das Randfilmfest bekam von Bandleader Patrick Wagner spontan den Ehrenpreis für das heterogenste Booking verliehen. Vielen Dank! Wo Gothics zu Rockabilly-Musik tanzen und Schmusefreunde GEWALT-tätig werden – so muß Randfilm!

Casio Rakete bei der Festivaleröffnung – Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.
Bad Rock’N’Roll aus Kassel mit Speed Chicken – Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.
Gewalt aus Berlin Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

And the winners are...

Rand Award - Preisträger 2017: v.l.n.r.: Daniel Hellwig, Johanna Groß, Matthias Wissmann, Dominik Graf und Christian Wittmoser - Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

Höhepunkt dann am Sonntag: die Verleihung des Rand Award, der in diesem Jahr zum zweiten Mal für die mutigste Nachwuchsproduktion vergeben wurde.
Sieben Filme hatten es ins Programm geschafft, etliche Filmemacher und Filmemacherinnen waren angereist, um ihren Film persönlich zu präsentieren. Das Publikum stimmte per Karte ab und konnte (wie bei der Bundestagswahl) jeweils 2 Stimmen für seine Favoriten abgeben.

So schafften es punktegleich auf den 2. Platz: "The Seam" von Matthias Wissmann und "Ewig" von Johanna Groß & Daniel Hellwig.

Der erste Platz und somit die Rand-Award-Steintrophäe ging an: "Emily must wait" von Christian Wittmoser.

Die mit insgesamt 200,- Euro dotierten Nachwuchspreise überreichte Ehrengast Dominik Graf an die mutigen Filmemacher.

Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.

Foto: Andreas Tietzek, Randfilm e.V.